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 Fremde Schuhe heimlich anprobieren
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 Mir werden Stiefel verpasst 30.06.2005 (00:00 Uhr) Leydenegg
Ein weiterer Auszug aus dem Fetischistenbuch: "Der gestiefelte Eros"

Charley  und Tante Gisel auf Stiefelkauf.

Sofort bei unserem Eintritt erhob sich eine würdige ältere Dame mit wohlfrisiertem, beinahe weißem Haar und frischen Augen von ihrem Stuhl hinter dem Kassentisch und fragte nach unseren Wünschen. Als Tantchen ihren Namen genannt hatte, klatschte die alte Dame freudestrahlend in die Hände: "Nein, gnädige Frau, welche Freude, unsere beste Kundin einmal persönlich kennen lernen zu dürfen! Wie viele Dutzend Paare Schuhe und Stiefel durfte ich Ihnen nach Amerika schicken! Nein, welche Ehre!" Dann, ihre lebhaften Augen auf mich richtend, fuhr sie eifrig fort: "Und was für einen großen hübschen Jungen die gnädige Frau schon haben...."

"Ich möchte meinen Neffen (das Worte `Neffe` betonte Tante) ein bisschen bei Ihnen equipieren, liebe Frau Mattausch."
"Aber, gerne, gnädige Frau. Und was darf es sein, wenn ich fragen darf?"
"Dreierlei. Jedoch nichts, was auch nur von Ferne nach einem Herrenstiefel aussieht".

Betroffen schaute die gute alte Dame auf meine braunen Damenstiefel, dann glitt ein freundliches, aber vielsagendes Lächeln über ihre sympathischen Züge. "Ich hoffe, allen Wünschen der gnädigen Frau gerecht werden zu können. Was eventuell nicht fertig vorhanden sein sollte, fertigen wir in kürzester Zeit ganz nach Wunsch an". Dann schaute sie Tante erwartungsfroh an. Ich nicht weniger. Denn vorläufig wusste ich noch nicht, warum ich eigentlich hier war, nachdem ich doch die nagelneuen braunen Stiefel und die kleinen Lackschuhe gerade von ihr bekommen hatte.

"Zunächst", begann Gisel "Die normalen Gebrauchs-Schuhe, die meine Neffe in Zukunft tragen wird. Da braucht er" - sie zog ein kleines Notizbuch aus ihrem Perlbeutel und warf einen kurzen Blick hinein - "6 Paar hohe Schuhe" - mir gab es einen Riß - "davon je 3 zum Knöpfen und 3 zum Schnüren. Der Schaft bis gut in die halbe Wade, Absätze gerade, doch nicht unter siebeneinhalb Zentimeter. Farben: schwarz und braun und je ein Paar aus Lackleder."

"Welche Schuhgröße, bitte recht sehr?", warf die alte Dame ein.
"39 ½, genau wie ich."
"Dann sind die gewünschten Artikel in fertiger Maßarbeit vorhanden. Fräulein Lisette, holen Sie die Sachen gleich aus dem Lager.
Fräulein Lisette geht ab.
"Nummer zwei das gleiche in Grün, wollte sagen in Halbschuhen. Drei Paare zum Schnüren, drei Paare ausgeschnittener Lackschuhchen, mit und ohne Querspange."
"Alles vorrätig", nickte Frau Mattausch, und ihre Augen strahlten bei jedem neu bestellten Paare noch heller.
Mit brach der Schweiß aus: "Um Gottes Willen, Tantchen, soll ich denn einen Laden aufmachen?", raunte ich ihr leise zu.
"Nur Ruhe Freundchen, es kommt schon noch besser", lachte sie höhnisch. "Jetzt paß auf, Karlemännchen!"

Inzwischen war die zweite Verkäuferin, Fräulein Trude frei geworden und wurde ihrer Kollegin zum Herbeiholen der Serie II ins Magazin nachgesandt. Was mich einigermaßen beruhigte, denn so waren bei Tantchens bevorstehendem Hauptcoup wenigstens nicht so viele Leute anwesend.  In der Annahme, dass nun etwas ganz Verrücktes käme, sollte ich mich nicht getäuscht sehen, denn Gisel begann:

"Ich komme  nun zum wichtigsten Teil seiner Ausstattung, doch da es sich hier wohl nur um Maßarbeit wird handeln können, lassen Sie bitte dazu Herrn Mattausch selbst rufen".
Jetzt ist es ganz gefehlt, dachte ich, aber im selben Moment kam Fräulein Lisette mit 6 großen Pappschachteln an, deren Inhalt sie auf der Theke sofort auszupacken begann.
Herr meines Lebens, ganz schwarz wurde mir dabei vor den Augen. Aber vor Freude, nicht vor Schrecken; waren das raffinierte Stiefelchen! Etwas Eleganteres konnte sich der kapriziöseste Liebhaber nicht ausdenken. Jedes einzelne, mit peinlicher Akkuratesse bis ins detail ausgeführt, war eine Sensation für sich, oder doch wenigstens für mich. In der Pluralerscheinung mussten sie auf Leute meines Schlages und meiner Veranlagung einfach geistesverwirrend wirken, Herr Mattausch, ein gut gekleideter älterer Herr mit einem feinen Kopf, war ganz Ohr, als ihm Tante, nach erneuter Befragung ihres Spickzettels, ihre Wünsche vortrug. Infolge der durch den glanzvollen Aufmarsch der 6 Paare so erfolgreichen Ouvertüre, waren meine Erwartungen für die folgenden Akte auf den Siedpunkt erhitzt. Aber er wurde überschritten, als Gisel mit einer Ruhe, als bestelle sie irgendwelche Schrauben, begann:

"Mein hohen Knopfstiefel hier" - dabei hob sie den Rock ein wenig - "gefallen meinem Neffen so heftig. Nicht wahr, Charley?" wandte sie sich an mich. Hol dich der Satan, dachte, "Jawohl, liebe Tante", sagte ich.

"Also nehmen Sie bitte ihm das Maß dazu. Aber Lackknopfstiefel! Bitteschön."

Eine Sekunde später hatte sich das lauernde Fräulein Lisette auch schon meiner linken Hinterflosse bemächtigt und begann mir den Stiefel aufzuknöpfen. Resigniert beschloß ich, von nun ab nur mehr ja zu allem, was auch kommen möge, zu sagen, wie ein von Hunden aufgespürter Igel. Schon machte sich Herr Mattausch an meinen Seidenstrümpfen mit Maßband, Bleistift und Papier zu schaffen.  Die gewonnenen Maßzahlen diktierte er seiner Frau, die sie gewissenhaft in ein Buch eintrug. Tantes nächste Bestellung hätte ich beinahe überhört, denn soeben brachte Fräulein Trude die Opfer der Serie II angeschleift und stellte sie als zweites Glied der sich vorbereitenden Stiefelrevue auf die Glasplatte. Beim Anblick der süßen Dingerchen stieg meine Erregung derartig, dass sich meine Männlichkeit in überdeutlicher Pracht reckte und streckte. Darob blickte mich Meister Mattausch einigermaßen erstaunt, ja beinahe missbilligend von unten herauf über seine Brillengläser an. Ja, alter Freund Knieriem! In diesem Falle musst du schon entschuldigen. Das ist etwas für die Nervendrahttaue eines starken Schutzmannes, aber nicht für einen Karl Hanns Leydenegg.

"In der gleichen Höhe und Ausführung wünsche ich für ihn dann auch ein Paar ganz hoher Lackschnürstiefel", hörte ich wie von weit her Tante Gisel weiterwünschen. "Gnädige Frau, Verzeihung", unterbrach sie der Meister. "Ich hätte ein solches Paar fertig in der Werkstätte. Es war für die Frau Baronin S. bestimmt und..."
"Schon gut. Fragt sich nur, wie die Hacken sind."
"Genau wie die an den der gnädigen Frau zuletzt gelieferten Lackknopfstiefeln. Vielleicht haben Sie Interesse dafür: Es stünden außer den genannten Lackknopftstiefeln von der gleichen Dame und in der gleichen Ausführung hohe graue Wildlederschuhe bis zum Knie und hellbraune Knopfstiefel zur Verfügung. Gerne gewähre ich Ihnen darauf entsprechenden Nachlaß´".
"Die Geldfrage kommt absolut nicht in Betracht. Lassen Sie die Paare mal bringen. Wir probieren sie und behalten sie auch - wenn sie tadellos passen. Nicht, Charley?"
"Jawohl, liebe Tante. "Im Stillen fügte ich bei: Allah sei groß. sein Wille geschehe.
"Dann hätte  ich für einen wilden Jungen gerne noch ein ganz besonderes Paar, nämlich....Ja, wie soll ich mich nur gleich ausdrücken? Aha, jetzt hab ich es. Nennen  wir sie mal: Strafstiefel".
Jetzt hat es geschnappt, dachte ich. Nun ist sie irrsinnig geworden.
"Ich denke dabei", fuhr sie in aller Seelenruhe fort,"an Knopfstiefel von recht auffallender Farbe, am besten vielleicht grellrot, mit so hohen Absätzen, dass das gehen oder Stehen auf ihnen wirklich ein bisschen weh tut".

Andächtig schrieb Herr Mattausch diese Angaben in sein Buch, und ich überlegte eben, ob  ich ihm nicht dafür ganz zufällig mit dem Fuß eins unter die Nase geben sollte, da erschien ein Geselle mit 3 besonders voluminösen Kartons, die er auf Frau Mattauschs Geheiß hin auf den Ladentisch legte. Ein weiterer Wink, und Fräulein Lisette kramte ihren vornehmen Inhalt aus und placierte die 3 Paare auf den rechten Flügel des für mich aufmarschierenden Stiefelheeres.

Ich sah seiner Auffüllung mit weitgeöffneten Augen und unbeschreiblichen Gefühlen zu.
"Probieren Sie dem Jungen die braunen Knopfstiefel an! Passen die, dann sitzen die zum Schnüren erst recht."
Mir war ähnlich zu Mute wie seinerzeit, als ich zum ersten Male Tantchens hohe Lackstiefel anziehen durfte. Und doch wieder anders. Denn die damalige Anprobe ging unter 4 Augen im stillen Kämmerlein vor sich, als welches man Mattauschs Laden doch nicht gut bezeichnen konnte, um so mehr, als sich inzwischen, wie ich mit Schrecken bemerkte, eine ganze Menge vornehmer Kunden eingefunden hatte. Und das Fräulein Lisette knöpfte und knöpfte mit einer Ausdauer und Hingabe, dass ich sie ordentlich darum bewunderte. Ich persönlich hätte gerne und sofort mit einem der dreiunddreißig Stiefelknöpfe getauscht, so peinlich war mir das befremdete Anstarren der Leute. Gefügig rutschten die Knöpfe unter dem energischen Zwang des langen Knöpfers einer nach dem andern in sein zugehöriges Knopfloch. Uns als schließlich die beiden herausfordernd hohen und auffälligen Stiefel an meinen Beinen saßen, hätte jeder darauf geschworen, dass sie für mich nach genauestem Maße gearbeitet worden seien.
Die Dornenkrone aber setzte mir Tantchen mit ihrer freundlichen Einladung auf, ein bisschen in den neuen Schuhen durch die Laden zu spazieren.
"O, du Kanaille", knirrschte ich, während ich mich vom Sessel erhob.
"Wie meinst du?", fragte sie scharf.
"Glänzend, einfach wundervoll", sagte ich begeistert.
Die Leutchen im Laden, es waren ihrer so viele geworden, dass die vorhandenen Sitzgelegenheiten nicht mehr ausreichten, machten mir bereitwilligst Platz, da sie irgendeine Sensation erwarteten. Erst freilich wollte ich mich gar nicht recht aufzuschauen getrauen, bald rang sich jedoch in mir die Überzeugung durch, dass, wenn schon eines von beiden, ich meine Tante und mich, nach allgemeiner Ansicht ein bisschen `jeck` sein musste, die Entscheidung darüber, wer von uns beiden es wäre, nicht zweifelhaft sein dürfte. Dadurch gewann ich meine volle Unbefangenheit wieder und so promenierte ich denn zunächst bedächtig, wie der alte Marabu im Zoo, quer über den Teppich, legte auf Tantes Einladung gehorsam ein bisschen im Tempo zu, um allmählich in das Tempo eines roten Radlers überzugehen. In dieser Phase meiner fortschreitenden Entwicklung wäre es mir aufs Haar geglückt, die beiden alten Scharteken von gestern über den Haufen zu rennen, die soeben mit steifen Gänsehälsen den Laden betreten hatten. Da ich aber schon an ihnen vorbei war, ich sah ihren Einzug zufällig in einem der Spiegel, musste ich mich damit begnügen, ihnen bei meiner nächsten Runde einen graziösen Kratzfuß zu servieren, wofür sie mir jedoch weder Dank noch Gegengruß zollten. Ein Wink Gisels rief mich endlich an meinen Landungsplatz zurück. Dort angekommen, bemächtigte sich Fräulein Lisette abermals meiner Beine. Ausgezogen waren die stolzen Prachtstiefel, deren schwarze Knöpfe und Nahteinfassungen einen ungemein geschmackvollen Kontrast zu dem hellbraunen Chevreauleder bildeten, erheblich rascher als angezogen.
Schnell musste ich mir noch ein Paar `normaler` Schnürstiefel und hernach ein Paar entzückender dunkelbrauner Schnürschuhe mit breiten seidenen Bändern über den Fuß streifen lassen. Auf die extravaganten, bis zum Knie reichenden Stiefel hin, mit ihren 9 Zentimeter hohen, frechgeschweiften Hacken, erschienen mir diese korrekten, vornehm einfachen Schuhe und ihre nur sieben Zentimeter hohen, geraden Absätze beinahe wirklich normal.
Endlich hatte ich meine brauen Knopfsteifelchen, in denen ich hergekommen war, wieder an den Füßen. Der geschäftliche Teil wurde von Tante durch Eintrag einer Ziffer, mit der wir zu Hause bei Mutter alle miteinander mindestens ein Jahr hätten gut wirtschaften können, in das Scheckbuch sowie durch Angabe unserer Hotel-Zimmernummer im Adlon erledigt.

In der frischen Luft der Straße erschienen mir die Szenen, als deren Hauptperson ich eben in Mattauschs Laden agiert hatte, wie ein verrückter Traum. Schüchtern angelte ich mir Tantchens Hand und versuchte einige Dankesworte zu stammeln. Sie wehrte lächelnd ab. "Du weißt, Bub, dass ich die Mittel dazu habe, jede meiner Launen zu pflegen. Nimm eben meine Vorliebe für elegantes Schuhwerk auch für eine solche. Also Schluß der Debatte. Hier sind wir übrigens bei Gerson, da haben wir allerhand zu besorgen." Gerson war zur Zeit das feinste und teuerste Damenwäschegeschäft Berlins. Ganze Berge zartester Battistwäsche, aber lauter Damenhemdchen und- höschen, wurden, von Tante ausgewählt, für mich beiseite gelegt. Zu dumm war nur, dass sie mich andauernd in Gegenwart der netten Verkäuferinnen fragte, wie mir dieses oder jenes Dessin gefiele. Dabei verstand ich bis jetzt wirklich nichts von diesen Spitzengedichten, obwohl mir der Gedanke, besagte Wäsche tragen zu müssen, ganz gewiß nicht abschreckend erschien.

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